Wähler

Wähler gelten oft als Bürger erster Klasse. Wenn die Bürger nämlich zugleich auch Wähler sind, so muss sich die Politik um sie bemühen, weil sie von den Wählern etwas will, deren Stimme. Dem Wähler werden Versprechungen gemacht. „Bürgernähe“ und „Bürgerbeteiligung“ sind typische Schlagworte, um dem Wähler klarzumachen, dass er ernst genommen wird und mitreden darf.

Sind die Wahlen dann vorbei, so mutieren die zuvor umworbenen Wähler oft auch wieder zu Bürgern zweiter Klasse. Plötzlich ändert sich das Verhalten der Politik. Sie stellt sich dann häufig auf den Standpunkt, dass der Wähler seine Stimme ja bereits abgegeben habe, sie also weg sei, nämlich bei den gewählten Politikern. Daher habe der Wähler nach den Wahlen dann doch nichts mehr zu sagen.

Stehen dagegen wieder Wahlen an, so verwandeln sich auch Politiker regelmäßig erneut in Bittsteller, die um die Stimme des Wählers werben. Der Wähler wird wieder wichtig, weil er die Wahl hat.

So ist es auch in Mühltal. Bei der Abstimmung über die Entlastungsstraße für die Dornbergbebauung standen für Mühltal keine Wahlen an. Die Bürger der Bergstraße, die um Gehör baten, erhielten es nicht. Eine Entlastungsstraße wurde abgelehnt. Nun stehen plötzlich wieder Wahlen an. Das Amt des Bürgermeisters ist neu zu besetzen. Und es gibt mehrere Kandidaten. Also ist der Bürger wieder wichtig, weil er Wähler ist, und es gibt neue Versprechen.

Der Bürger, er ist jetzt abermals Wähler, wird plötzlich wieder ernst genommen.

Mein Anspruch ist es, diesen entmutigenden Kreislauf zu durchbrechen. Positive Beispiele gibt es. An ihnen will ich mich orientieren. Ich hoffe, dass es mir auch als Bürgermeister gelingt.

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