Kirche

Der Begriff der Kirche ist nach meiner Auffassung unter mehreren Aspekten zu sehen, die wir differenzieren sollten.

Die Kirche kann als reine Glaubensgemeinschaft interpretiert werden. Soweit sie das ist, hat sich der Staat und auch die Politik nicht einzumischen. Glauben ist Privatsache, solange im Namen des Glaubens keine Verbrechen geschehen.

Die Kirche ist aber auch oft Träger sozialer Einrichtungen. Betreibt sie Kindergärten, Altersheime oder Büchereien, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, dann sollte die Politik das so unterstützen, wie sie jedem anderen Träger solcher Einrichtungen auch hilft.

Wird die Kirche oder eine kirchliche Organisation wie ein Unternehmen tätig, um Geld zu verdienen, dann muss sie sich auch an vergleichbaren Unternehmen messen lassen. Sie darf von der Politik dabei nicht besser, aber auch nicht schlechter behandelt werden als andere Unternehmen.

Schließlich ist die Kirche Ausdruck und eine Wurzel unserer Kultur, die sich nach meinem Verständnis übrigens durch eine große Offenheit gegenüber anderen Kulturen auszeichnet. Diese Funktion als Wurzel gilt selbst dann, wenn wir Atheisten sind. Wir sollten selbstbewusst genug sein, um dies nicht zu verleugnen. Als studierter Städtebauer möchte ich ein kleines Beispiel geben: Kirche muss nicht hinter Mauern stattfinden. Dazu reicht es bereits oft, einen großzügigen Vorplatz zu haben. Das ist bei der katholischen Kirche in Nieder-Ramstadt gelungen, die Kirche öffnet sich so nach außen. Dagegen versteckt sich die evangelische Kirche in Nieder-Ramstadt geradezu hinter vielen Büschen, obwohl ihr Eingang mit der Achse der Kirchstraße übereinstimmt. Eine großzügigere Vorplatzgestaltung mit der Aufnahme dieser Achse hielte ich für eine sinnvolle Maßnahme, um diese Kirche etwas mehr als Teil des Ortskernes zu positionieren.

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