Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) II

Die Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) galt ehemals als eine anerkannte Organisation, die sich um die Behindertenbetreuung verdient gemacht hat. Auch heute noch hat sie zahlreiche sehr engagierte Mitarbeiter, die in diesem Bereich einen wirklich guten Job verrichten.

Die Leitung der NRD hat inzwischen aber ganz andere Geschäftsfelder erschlossen. Sie tritt in Nieder-Ramstadt mehr und mehr als Projektentwicklerin auf. Grundstücke, die auf Ruckelshausen Ackerland waren, wurden gewinnbringend in Gewerbegebiete umgewandelt. Im Fall Dornberg soll das finanziell nahezu wertlose “Sondergebiet” baurechtlich in ein Wohngebiet umgewandelt werden. Es hätte dann einen Wert von etwa 20 Millionen Euro. Weil die NRD offiziell “gemeinnützig” ist, zahlt sie der Gemeinde aus diesen Planungsgewinnen auch keine Gewerbesteuer, die sonst grundsätzlich jedes andere Unternehmen in Höhe von 13,3 Prozent des Gewinnes abführen muss.

Inzwischen greift die Leitung der NRD auch aktiv in den Bürgermeisterwahlkampf ein. Unter dem vielversprechenden Titel “transparent” werden jetzt kurz vor der Wahl Flyer verteilt. Wer indes erwartet hatte, darin beispielsweise etwas über die Gewinne durch das Gebiet Ruckelshausen oder die Vorstandsgehälter mit Sondervergütungen zu erfahren, der wird enttäuscht sein. Darüber schweigt der Flyer, der mit Fotos von Menschen mit Behinderung beworben wird, die sich vermutlich nicht bewusst sind, dass ihre Bilder für politische Meinungsäußerungen verwendet werden.

Es werden im NRD-Flyer Menschen in ein schlechtes Licht gerückt, die sich kritisch zur geplanten Bebauung ausgesprochen haben. Statt nun etwa selbst Unterschriften für das eigene NRD-Projekt zu sammeln, werden die 1.668 Menschen, die das Bürgerbegehren unterzeichnet haben, ganz einfach als kleine Gruppe benannt. Die Wahrnehmung demokratischer Grundrechte bezeichnet die Leitung der NRD als Profilierung.

In Darmstadt wäre es undenkbar, wenn etwa die Firma Merck derart in eine unmittelbar bevorstehende Oberbürgermeisterwahl eingreifen würde. In Ober-Ramstadt würde das die Firma Caparol gewiss nicht tun. Dabei leben beide Kommunen mit diesen Firmen als Gewerbesteuerzahler nicht schlecht. Diese politische Zurückhaltung wünschen sich viele Menschen auch in Mühltal.

 

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